Veröffentlicht am 31.03.12 Geschrieben von Malcha

Die Sonne steht bereits hoch am Himmel über Tanaris und brennt erbarmungslos auf die Wüste hinab. Kein Windhauch bringt Erleichterung für die einsame Zwergenfrau auf ihrem weissen Widder. Stoisch erträgt sie die Hitze in ihrem Plattenpanzer. Ihre langen Zöpfe sind mit Schweiss getränkt.

*kawum*

Eine Explosion zerstört die Stille an der Küste von Tanaris.

Erschreckt bäumt sich Napachias Widder auf. „Ruhig, immer mit der Ruhe,“ tätschelt sie ihm beruhigend den Hals. Als sich der Widder einigermassen beruhigt hat, steigt Napachia trotz ihrer Plattenrüstung geschmeidig ab.

Besorgt hält die Zwergenfrau nach einer Rauchwolke Ausschau. Tatsächlich! Nur ein kleines Stückchen landeinwärts im Süden steigt eine dunkle Rauchwolke auf. Ihre Ohren haben sich nicht getäuscht. Ihr Weg wird sie bald zum Ort der Explosion führen. Kurz überprüft sie den Sitz ihres Streitkolbens und zieht dann sanft am Zügel: „Komm, nehmen wir den mühseligeren und sicheren Weg!“ Sie führt den Widder runter an den Strand und setzt ihren Weg im Sichtschutz der Palmen fort. Das gehen im weichen Sand ist beschwerlich und Napachia kommt nur langsam voran.

Kurz darauf erschüttert eine weit heftigere Explosion die Stille. Zitternd bleibt der Widder stehen. Mit einem leisen Seufzen beginnt sie auf in einzureden: „Komm, so schlimm ist das doch nicht. Die Explosionen tun dir nichts.“ Sanft krault sie den Widder am Kopf. „Bald sind wir nah genug, damit ich nachsehen kann, was da los ist. Ich pass’ schon auf dich auf.“

Erst nach längerem Zureden lässt sich der Widder wieder weiterführen.

Napachia ist noch nicht weit gekommen, als eine weitere Explosion die Gegend erschüttert. „Elende Goblins mit ihren explosiven Spielzeugen!“ schimpft Napachia. Ein kurzer Blick auf ihren Widder reicht und sie weiss, dass nichts ihn zum weitergehen überzeugen kann. Resigniert bindet sie ihn an der nächsten Palme fest. Sie tätschelt ihm noch einmal kurz die Flanke und schnallt ihr Schild vom Sattel los. Soweit gerüstet macht sie sich alleine auf den Weg.

Napachia hält inne, als ihr Blick auf den Ort des Geschehens fällt. Mehrere Krater unterschiedlicher Grösse zieren die Wüste. Noch hängt viel Sand von der letzten Explosion in der Luft und verbirgt den Verursacher vor Napachia. Am Rand eines Kraters liegen Eisbrocken, die in der Hitze schmelzen. Das Wasser verdunstet gleich und verschlechtert die Sicht noch mehr. Geduldig wartet Napachia darauf, dass sie den Verursacher ausmachen kann.

 

Konzentriert schreitet Zeruja den Krater der Frostgranate ab. Leise zählt sie die Schritte mit. Als sie die Werkzeugkiste erreicht, holt sie einen kleinen Notizblock hervor. „26 Schritte,“ murmelt sie leise, während sie sorgfältig notiert. „Das wäre dann etwas mehr als bei der Adamantitgranate.“ Den Block fest umklammert steigt sie sorgfältig in den Krater. Beinahe wäre sie im lockeren Sand ausgerutscht. Auch hier zählt sie leise vor sich hinmurmelnd gewissenhaft jeden Schritt. „Nur 5 Schritte bis in die Mitte,“ notiert sie auf ihrem Block. Sie runzelt die Stirn, als sie ihre Aufzeichnungen studiert.

Welche soll ich mir nun bauen? Ich kann mich einfach nicht entscheiden! Die Teufelseisenbombe deckt die grösste Fläche ab und die Adamantitgranate verursacht am meisten Schaden. Dagegen steht die Frostgranate schlecht da…wenn nicht die Menge an Eis wäre, die alles in der näheren Umgebung einfriert. Ich hätte so gern ein paar von den Frostgranaten. Dafür verzichte ich auf die Adamantitgranate. Dann kann ich mir sicher noch einige Teufelseisenbomben leisten für ein wenig mehr Feuerkraft. Am besten, ich schreibe gleich eine Organisationsliste. Sonst vergesse ich sicher einen wichtigen Teil und muss meine Arbeit unterbrechen.

Eifrig beginnt Zeruja auf ihrem Block zu kritzeln.

Zuerst brauche ich Elementarsprengpulver. Das mische ich aus Feuerpartikel und Erdpartikel, die ich leicht in Erzvorkommen finden kann. Dann fehlt mir noch ein Urwasser und Netherstoff für die eisigen Sprengzünder. Netherstoff habe ich noch ein paar Fetzen auf der Bank, die ich für Verbände nutzen wollte. Was soll’s! Verbände sind lange nicht so wichtig. Einzelne Wasserpartikel kann ich in den Zangarmarschen aus Sumpfgaswolken extrahieren. Damit habe ich das wichtigste Bauteil für die Frostgranate. Nur noch einige Teufelseisenbarren für ein Gehäuse und die Bolzen und es kann losgehen. An die Arbeit!

Eilig kraxelt Zeruja aus dem Krater. Oben angelangt hält Zeruja verblüfft inne. Sie starrt die Zwergin in ihrer schweren Plattenrüstung an, die einige Meter entfernt geduldig wartet. Sie schiebt ihre Brille nach oben und reibt sich die Augen. Als die Zwergin danach immer noch an der gleichen Stelle steht und sich nicht in Luft aufgelöst hat, holt Zeruja tief Luft. „Guten Tag. Was treibt euch in diese trostlose Wüste?“

 

„Ich bin unterwegs zu diesem Piratennest im Süden, um gestohlene Waren zurückzuholen,“ informiert die Zwergin. „Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass die Explosionen keine Banditen angelockt haben.“

Entsetzt zuckt Zeruja zusammen: „Hier in der Wüste gibt es Banditen? Ich dachte… ich meinte die Wüste sei menschenleer und hier würde mich niemand bei ein paar Experimenten stören.“

„Am besten packt ihr schnell eure Sachen zusammen und verschwindet von hier,“ rät die Zwergin. Eifrig nickt Zeruja und beginnt ihre verstreuten Utensilien einzusammeln.

Napachia beobachtet die Gnomin noch einen Moment. „Lebt wohl,“ ruft sie ihr zu und kehrt zu ihrem Widder zurück.

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