Veröffentlicht am 30.11.-1 Geschrieben von Malcha

Das Rattern der Tiefenbahn wurde leiser während Layila durch den Gang in Richtung Ironforge schritt. „Wie konnten die Gnome nur all den Lärm und den Gestank ihrer Erfindungen aushalten?“ fragte sie sich wieder einmal. „Selber Schuld!“ schimpfte Layila leise mit sich, „weshalb musstest du dem Gnom auch versprechen, seinen Freund aufzusuchen?“

 

Mit hängendem Kopf schlurft eine Gnomin durch Ironforge. Neben dem Eingang zur Tiefenbahn lässt sie ihre schwere Tasche fallen und sinkt mit einem Seufzer gegen die Wand. Erschöpft schliesst sie die Augen und lauscht auf das leise Rattern und Rumpeln der Bahn.

Sanft leckt sich die Gnomin über die aufgesprungenen Lippen. Müde beginnt sie in ihrer Tasche zu graben und holt eine Getränkeflasche hervor. Kritisch betrachtet sie die Flasche und schüttelt sie leicht. Nichts ist zu hören. Seufzend schraubt sie die Flasche auf und linst hinein. Leer. Auf ihrem Gesicht macht sich Verzweiflung breit. Wieder besseren Wissens setzt sie die Flasche an die Lippen. Ein einzelner Tropf läuft in ihren trockenen Mund. Sorgfältig legt sie die Flasche zur Seite und nestelt den kleinen Geldbeutel vom Gürtel los. Langsam beginnt sie die kleinen Kupfermünzen zu zählen. Schnell hat sie ihre geringe Barschaft gezählt. Verzweifelt lässt sie den Kopf hängen.

Überrascht hebt die Gnomin den Kopf, als sie Schritte im Gang neben sich hört. Vorsichtig blickt sie um die Ecke. Beim Anblick der Frau in der grünen Robe mit dem schlichten Stab in der Hand breitet sich auf ihrem Gesicht ein Lächeln aus. Vergessen ist die Erschöpfung. Hastig packt sie die Tasche wieder und stellt sich der Frau in den Weg.

Tief verbeugt sich die Gnomin, wobei sie wegen der schweren Tasche beinahe das Gleichgewicht verliert. „Willkommen in Ironforge werte Dame. Darf ich ihnen meine Dienste anbieten? Ich bin Pnimah Drehleucht und meines Zeichens Spezialistin für magische Gravuren und Verstärkungen. Als eine im Umgang mit dem Arkanen geübte Magierin kennt ihr sicher den grossen Nutzen einer geschickten Verzauberung. Ich leiste erstklassige Arbeit gegen ein geringes Entgelt. Da ich sämtliche benötigten Materialien mit mir führe,“ Pnimah klopft leicht auf ihre Tasche, „könnt ihr den verzauberten Gegenstand gleich wieder mitnehmen.“

 

Verdutzt betrachtet Layila die Gnomin. Ihrem kritischen Blick entgehen weder die hastig angebrachte Verstärkung auf der Taschennaht, noch die dünnen Stellen an den Schuhen. Verächtlich verzieht sie das Gesicht. Wie kann man sich nur so auf die Strasse getrauen? Vielleicht… ist dies aber die Gelegenheit, auf die sie schon lange gewartet hat und sie kommt durch die Gnomin zu der heiss ersehnten Verzauberung?

Schroff fragt sie nach: „Was versteht ihr schon von Verzauberungen?“

 

Pnimah schenkt der Dame vor sich ein Lächeln. Sorgfältig steht sie die Tasche ab und beginnt mit der Aufzählung: „Ich kann eure Armschienen mit einer Verzauberung versehen, die eure Gesundheit stärkt oder eure Abwehr. Für eure Robe kann ich euch eine Verstärkung eurer magischen Energien oder eine Stärkung eurer Gesundheit anbieten. Zudem kann ich euch einen einfachen Zauberstab erstellen.“

Layila’s Augen beginnen zu leuchten. Es sind zwar nur einfache Verzauberungen, aber selbst diese sind sehr verlockend. Schon viel freundlicher fragt sie: „Was versteht ihr unter einem geringen Entgelt?“ „Ich bin bereits mit einer Handvoll Kupfermünzen zufrieden, werte Dame,“ gibt Pnimah ihr Auskunft.

Damit hat Pnimah nun endgültig Layilas Aufmerksamkeit gewonnen. Bevor Layila zusagt, fragt sie nochmals nach: „Bei diesem tiefen Preis ist das kein allzu schlechtes Angebot. Wie lange dauert es, wenn ihr mir sowohl die Armschienen mit Gesundheit, als auch die Robe mit magischer Energie verzaubert? Ich habe es eilig!“

„Eure Armschienen zu verzaubern wäre innerhalb von wenigen Minuten machbar. Für die Robe benötige ich etwas mehr Zeit,“ erklärt Pnimah. „Selbstverständlich ist es möglich, dass ihr im Moment nur die Armschienen verzaubern lasst. Falls ihr zufrieden seid und die Robe ebenfalls verzaubert haben möchtet, bin ich auch bereit nach Sturmwind zu reisen und dort für euch zu arbeiten.“ Layila nickt: „In Ordnung. Dann macht euch besser gleich an die Arbeit.“ Sie reicht Pnimah ihre Armschienen.

Diese holt aus ihrem Rucksack eine runenverzierte Kupferrute und ein Säckchen mit seltsamem Staub. Tief beugt sie sich über die Armschienen. Layila kann nicht erkennen, was die Gnomin anstellt. Ungeduldig wartet Layila darauf, dass die Gnomin fertig ist.

 

Endlich händigt die Pnimah die Armschienen wieder an Layila aus. „Lasst mich zuerst eure Arbeit begutachten!“ winkt Layila ab, als ihr die Gnomin die Hand bereits entgegenstreckt um ihren Lohn in Empfang zu nehmen. Kritisch betrachtet Layila die Armschienen. Erst als sie die Armschienen anzieht, spürt sie ein feines Kribbeln. Zufrieden nickt sie: „Offensichtlich habt ihr doch gute Arbeit geleistet.“ „Was habt ihr den gedacht?“ empört sich Pnimah. „Ich leiste immer beste Qualitätsarbeit! Nun ist es an euch, ein entsprechendes Entgelt zu bezahlen.“

Layila holt aus ihrem Geldbeutel ein einzelnes Silberstück, dass sie Pnimah zuwirft. Geschickt fängt Pnimah das Geldstückchen auf. Sofort lässt sie es in ihrem Geldbeutel verschwinden. „Habt vielen Dank.“ Pnimah deutet eine leichte Verbeugung an. „Kann ich euch sonst noch zu Diensten sein, werte Dame?“

„Ihr bekommt noch ein weiteres Silberstück, wenn ihr mir sagen könnt, wo ich Lomac Ritzeldreh finde,“ lockt Layila. „Aber natürlich,“ Pnimah nickt eifrig. „Obwohl es sicher einfacher wäre, wenn ich euch hinführe.“ Layila schüttelt den Kopf: „Eine Beschreibung reicht mir vollkommen aus.“ „Sobald ihr das Ende des Ganges erreicht habt, wendet ihr euch nach links,“ erklärt Pnimah gestenreich. „Das erste Geschäft gehört einem Feuerwerksverkäufer. Er verkauft zusätzlich andere explosive Sachen. Meist hält sich Ritzeldreh um diese Tageszeit dort auf. Ihr könnt ihn an seiner grauen, immer leicht angesengten Robe erkennen. Sollte er nicht dort sein, kennt der Ladenbesitzer am ehesten seinen Aufenthaltsort.“ „Da hast du deinen Lohn,“ Layila wirft ihr abwesend eine weitere Münze zu und macht sich gleich auf den Weg.

Sobald die Frau ausser Sicht- und Hörweite ist, verschwindet der zuvorkommende Ausdruck von Pnimah’s Gesicht. Leise schimpft sie: „Arrogantes, eingebildetes Miststück.“

 

Das Geldstückchen sicher in ihrer kleinen Faust verwahrt, macht sich Pnimah auf den Weg. Zielsicher trippelt sie durch die hohen Hallen von Eisenschmiede. Sie geht an den ehrfürchtigen Hallen der Bibliothek vorbei und folgt dann dem Ring um die zentral gelegene Schmiede. Die Hitze treibt ihr den Schweiss auf die Stirn. Noch einmal versichert sie sich, dass die Münze sicher in ihrer kleinen Hand ist. Gleich beschleunigt sie ihre Schritte und wendet sich dem schmalen Verbindungsgang zum Handelsviertel zu.

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