Veröffentlicht am 30.11.-1 Geschrieben von Malcha

Geschmeidig läuft die Nachtelfe durch den lichten Wald des Eschentals. Ihr langes dunkelblaues Haar schwingt bei jedem Schritt sachte mit. In der Hand hält sie ihren Bogen, obwohl weit und breit keine Gefahr in Sicht ist. Dicht hinter ihr läuft eine graue Nachtsäblerin, deren Fell weiss gepunktet ist. Unermüdlich setzt sie ihren Weg im Mondschein fort.

Die Säblerdame fällt immer weiter zurück. Als die Nachtelfe zwischen den Bäumen kurz aus ihrem Sichtfeld verschwindet, maunzt Sabra kläglich. Erschrocken wirbelt Malcha herum und legt einen Pfeil an. Ihr Blick schweift umher, aber sie kann keine Gefahr erkennen. Langsam kommt die Säblerin heran und legt sich zu ihren Füssen hin. „Sabra, was ist nicht in Ordnung?“ fragt die Elfe besorgt, als sie neben der Katze in die Knie geht. Sorgfältig fährt sie ihr durchs samtweiche Fell. Ihre tastenden Hände können aber keine Verletzung finden.

Das leise Schnurren der Nachtsäblerin und die genüsslich geschlossenen Augen vertreiben die leichten Runzeln auf der Stirn der Nachtelfe. Sie steht wieder auf: „Komm, es ist nicht mehr weit!“ Die Katze ignoriert diesen Befehl gekonnt und als sich Malcha abwendet, maunzt sie leise. Die Elfe wendet sich wieder um und blickt kritisch auf die Säblerin herab: „Soll das etwa heissen, du bist zu erschöpft um heute noch weiter zugehen?“ Diese antwortet mit einem leisen Maunzen. „Ist ja gut, wenn du unbedingt willst, rasten wir hier.“

Malcha setzt sich mit dem Rücken zu einem Baum hin. Aus ihrem Rucksack holt sie ein Stück sehr trockenes Brot und geräucherten Fisch für Sabra. Tief in Gedanken versunken kaut sie auf dem Brotstück herum. Die Säblerin legt sich an ihrer Seite nieder, sobald sie den Fisch aufgefressen hat.

„Wenn du nicht krank bist und nicht verletzt… weshalb magst du dann nicht mehr weit reisen?“ fragt die Elfe, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. „Du hast mich immer begleitet und beschützt!“ Sie streichelt der Katze über den Kopf. „Ein Leben ohne dich kann ich mir fast nicht mehr vorstellen.“ Leise schnurrend hebt die Katze den Kopf und blickt die Elfe an. Malcha holt tief Luft: „Am besten bringe ich dich zu Tiwit nach Darnassus. Die Reise nach Norden kann ich gut verschieben.“

 

Viele Tage später erreicht Malcha mit Sabra nach einer unruhigen Überfahrt den Hafen von Rut’theran. Ohne zu verweilen geht sie zwischen den Häusern hindurch zu dem rot schimmernden Gebilde auf der Anhöhe dahinter. Sobald sie in das Gebilde tritt, verschwimmt die Umgebung. Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Nachtelfe, als sie in Ruhe die Stadt betrachtet. Einen kurzen Moment später erscheint die Nachtsäblerin an ihrer Seite.

Gemächlich schlendert Malcha durch die Stadt. Sie folgt dem Weg über die Brücken zur Enklave des Cenarius. Die Nachtelfe folgt einem schmalen Pfad zwischen den gewaltigen Bäumen hindurch zu einem kleineren Haus. Dichte Ranken hüllen das Haus ein und ein wildes Durcheinander von Blumen blüht im Garten rundherum. Durch das Fenster des Hauses ist ein flackerndes Licht zu erkennen. Malcha klopft an und öffnet gleich ohne zu zögern die Tür.

 

Der Raum wird von einer Gruppe Kerzen auf einem seltsamen Ständer im hinteren Teil spärlich beleuchtet. Auf der linken Seite steht ein Bett, auf dem Pergamentbögen und verschiedenste Schriftrollen wild durcheinander liegen. Die ganze Wandbreite nehmen die überfüllten Büchergestelle ein. Einige Bücher fanden darin offenbar keinen Platz mehr und sind am Boden davor gestapelt. Von einem Ende zum anderen sind Schnüre gespannt, an denen büschelweise Kräuter hängen. Auf dem Tisch stehen reihenweise Fläschchen, die mit Flüssigkeiten in den unterschiedlichsten Farben gefüllt sind. Dazwischen stehen kleine Handmühlen, an denen noch Reste der Pulver haften. Tief über den Tisch gebeugt sitzt eine Nachtelfe mit grüngelbem Haar und schreibt sorgfältig mit einem Federkiel an einer weiteren Schriftrolle.

Malcha schliesst die Tür hinter sich und Sabra und wartet geduldig, bis die Nachtelfe von ihrer Arbeit aufsieht. Es dauerte eine Weile, bis die Nachtelfe den Federkiel weglegt und sie umdreht. „Malcha, schön, dass du wieder einmal vorbeikommst,“ begrüsst sie nun ihren Besuch. „Du warst lange unterwegs. Du musst mir bei einem Tee erzählen, was du erlebt hast.“ Geschmeidig steht sie aus dem Stuhl auf.

„Ishnu-alah,“ erwidert Malcha die Begrüssung mit einem leichten Neigen des Kopfes. Sie räumt sich eine Ecke des Betts frei und lässt sich dort nieder. „Eigentlich bin ich nicht hergekommen um Tee zu trinken, sondern weil ich deinen Rat brauche.“ Tiwit nickt verständnisvoll: „Ich habe das auch nicht für einen Höflichkeitsbesuch gehalten. Trotzdem redet es sich bei einem Getränk leichter.“ Sie geht zu ins hintere Zimmer, in dem sich offenbar die Küche befindet.

 

Wenig später kommt Tiwit mit einem Tablett mit zwei dampfenden Tassen zurück. Das Tablett platziert sie auf dem Bett und holt sich ihren Stuhl in die Nähe. Schweigend nippen die Nachtelfen am heissen Tee. Eine friedliche Stille legt sich über dem Raum.

Malcha stellt die leere Tasche zurück aufs Tablett. „Ich mache mir Sorgen wegen Sabra,“ beginnt sie. Dafür kassiert sie einen erstaunten Blick von Tiwit: „Ich verstehe nicht ganz.“ „Sie wird immer so schnell müde. Zuerst dachte ich, Sabra sei verletzt oder krank, aber ich kann nichts finden,“ erklärt Malcha. Tiwit streckt der Säblerdame die Hand entgegen. Da trottet Sabra zu ihr und lässt sich zwischen den Ohren kraulen. „Wie lange begleitet sie dich schon?“ fragt Tiwit während sie Sabra betrachtet.

„Ich habe sie als kleines Kätzchen auf einem meiner ersten grossen Ausflüge gefunden. Sie war wirklich ein mageres Ding… als sie aus dem Gebüsch auftauchte und sich über meine frisch geangelten Fische hermachte.“ Bei der Erinnerung muss Malcha lächeln. „Das ist ja unterdessen schon viele Jahre her und immer noch ist Fisch ihr Leibgericht.“ Tiwit nickt leicht: „Sabra wird langsam zu alt für lange Reisen. Wenn du willst, kannst du sie hier bei mir lassen.“

Malcha sackt bei der Ankündigung zusammen. „Ich werde Sabra schrecklich vermissen, aber sie hat sich den Ruhestand verdient. Auf sie war immer Verlass. Sie war die beste Gefährtin, die ich mir vorstellen kann.“ Schweigend holt Tiwit frischen Tee. Nachdenklich starrt Malcha in ihre Tasse.

 

„Hast du Derascha in letzter Zeit getroffen?“ fragt Tiwit nach einer Weile. Malcha nimmt einen grossen Schluck, bevor sie zu erzählen beginnt. Lange plaudern die Nachtelfen.

Malcha bleibt einige Tage in dem gemütlichen Haus. Es gibt viel zu erzählen und zu erfahren. Doch dann kommt die Zeit für den Abschied. Begleitet von Sabra und Tiwit macht die Jägerin sich wieder auf den Weg. Beim Portal nach Rut’theran verabschieden sie sich.

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Kommentare

Gesendet: 2 Jahre, 5 Monate her von Tyana #7565
Das ist eine sehr schöne Geschichte. Danke!

In meinem Stall befindet sich auch ein lieber Gefährte, der schon fast seit WOW-Beginn tapfer mit mir durch die Wälder streifte. Nun ist er viel im Stall, aber ich mag ihn nicht hergeben. Es ist ein Eber und heisst Wutzy. Ja man kann schon an so einem Tier hängen. Obwohl man früher nur 5 Plätze hatte ist er immer da geblieben. War schon traurig wenn man doch einmal ein Tier "fortschicken" musste. Aber nun haben wir Jäger eine "Riesenanzahl" von Plätzen, obwohl - pssssst - ich brauch noch mehr.
Gesendet: 2 Jahre, 5 Monate her von Malcha #8695
ich habe schon überlegt, ob ich beim doch sehr viel grösseren Stall wieder eine "Sabra" zähmen soll

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